Olympische Spiele

Olympische Spiele trotz Coronavirus

Prof. Dr. Frank Daumann erklärt im Interview, warum die Spiele in Tokyo trotz aller Bedenken stattfinden und ob die Pandemie die Kommerzialisierung den Olympischen Spiele ausbremsen wird.
Olympische Spiele
Foto: Pexels

Meldung vom: 21. Juli 2021, 21:09 Uhr

Professor Daumann, in der Öffentlichkeit und in der Politik wird davon ausgegangen, dass die Olympischen Spiele eine hohe wirtschaftliche Bedeutung für ein Land bzw. eine Region haben können. Teilen Sie diese Meinung oder wird die ökonomische Bedeutung der Olympischen Spiele überschätzt?

Frank Daumann (FD): In der Tat haben die Olympischen Spiele einen bedeutenden wirtschaftlichen Einfluss. Es ist jedoch nicht so, dass das ganze Land gleichermaßen profitiert und der Gesamtnutzen die Gesamtkosten für das ganze Land überwiegt. Was wir beobachten können, ist, dass die Ergebnisse der Wirkungsanalysen im Vorfeld der Olympischen Spiele regelmäßig zu einem Überschuss der Nutzen über die Kosten kommen. Ex-post-Analysen können diesen Überschuss jedoch meist nicht bestätigen. Der Grund dafür ist, dass beispielsweise die lokalen Behörden häufig ein Interesse an der Durchführung der Olympischen Spiele haben und deshalb Agenturen mit der Durchführung dieser Analysen beauftragen. Das Ziel der Kommunen ist es, Subventionen vom Staat zu erhalten. Auf diese Weise können Regionen von den Olympischen Spielen profitieren, während der Gesamtstaat ein Ausgabendefizit aufweist.

Japan steht vor einer Rezession, denn die Infektionszahlen im Land steigen und der Notstand wird ausgeweitet. Daher forderten immer mehr Menschen, die Olympischen Spiele in Tokio komplett abzusagen. Die Organisatoren und die Politik halten jedoch an den Spielen fest. Wieso finden die Spiele trotz der Pandemie statt?

FD: Meiner Meinung nach sollten die Spiele wegen der damit verbundenen Gesundheitsrisiken nicht in Japan stattfinden. Natürlich haben das IOC und die Organisatoren befürchtet, dass die Spiele bei einer weiteren Verschiebung mit den Winterspielen oder mit der Fußball-WM kollidieren würden. Insofern ist das Festhalten an dem Plan ein Zeichen dafür, dass die Einnahmen für das IOC eine sehr wichtige Rolle spielen.

Sind Mega-Sportevents in Coronavirus-Zeiten Ihrer Meinung nach überhaupt sinnvoll?

FD: Solange die Impfungen nicht deutlich fortgeschritten sind, halte ich solche Ereignisse für sehr problematisch, da sie die verschiedenen Virusvarianten in alle Länder verbreiten können.

Die Finanzierung der Olympischen Spiele ist ein heiß diskutiertes und vielschichtiges Thema. Das IOC strebt nach immer größerer finanzieller Unabhängigkeit. Könnte die Pandemie jedoch die Kommerzialisierung Olympias ausbremsen?

FD: Ja, die Pandemie kann den Expansionsdrang des IOC etwas bremsen. Aber die Pandemie wird die Kommerzialisierung der Olympischen Spiele nicht aufhalten. Man muss das IOC als ein Monopol betrachten. Und Monopole neigen dazu, ihre Gewinne zu maximieren. Ein Wirtschaftswissenschaftler sprach einmal von einem "Monopol-Wanderzirkus". Meiner Meinung nach ist dieses Bild genial.

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